Magic Island

Im Isolationstank schwebt man in Salzwasser mit Körpertemperatur, die physischen Grenzen des Körpers verlieren ihre Schärfe, es wird zunehmend schwerer das Innere vom Äußeren zu unterscheiden. In der Abwesenheit von Licht und Geräuschen kann der Geist frei umherwandern. Das Wasser fühlt sich sanft an, und diese Sanftheit ist es, die die Struktur des Hier und Jetzt aufbricht und der Träumerei Raum gewährt..
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Im Isolationstank schwebt man in Salzwasser mit Körpertemperatur, die physischen Grenzen des Körpers verlieren ihre Schärfe, es wird zunehmend schwerer das Innere vom Äußeren zu unterscheiden. In der Abwesenheit von Licht und Geräuschen kann der Geist frei umherwandern. Das Wasser fühlt sich sanft an, und diese Sanftheit ist es, die die Struktur des Hier und Jetzt aufbricht und der Träumerei Raum gewährt
Es sind diese widersprüchlichen Qualitäten von Wasser – Stärke und Weichheit, Ruhe und Unbeständigkeit – die Magic Island in ihrem Debütalbum „Like Water“ einfangen will. Sie beschreibt ihren Wunsch „zurückzukehren zu einem fragilen Zustand der Empfindsamkeit“. Die Stücke erlangen ihre Stärke durch diese Sanftmut, eine Sanftmut ähnlich der subtilen Schonungslosigkeit eines Lösungsmittels. Jeder einzelne Song ähnelt einem romantischen Schlaflied, und verwebt R&B und New Age-Einflüsse doch immer wieder neu miteinander.
Sollte man „Like Water“ mit einer Tageszeit vergleichen wollen, es wäre nicht die wilde Nacht, sondern die ersten Stunden eines verschlafenen Morgens danach. Die kurze Zeit, in der Erinnerungen noch vage durch den Kopf streifen und darauf warten, ausgewertet zu werden. Die Zeit, bevor das große Bereuen eintritt.
Auf der ersten Single „Alchemy“ mit seinen herumschwirrenden Glocken und Echos befindet sich das Album auf der Höhe der eigenen Entfremdung, ein Anfall von Verzweiflung und Verwirrung. Es handelt von der Suche nach Befreiung, während man sich schließlich doch zum Monster, zum Bösen verwandelt. „Shepherd“, das bereits Ende 2015 seinen Weg ins Internet fand, erzählt die Geschichte vom Verlorensein, vom Verlangen nach Führung, während das feierliche „Wonders“ Illusionen untersucht – solche kreiert von anderen, aber auch von uns selbst.
Auf dem kraftvollen Titeltrack (co-produziert von Karolini) demonstriert Magic Island einen beeindruckenden neuen Stimmumfang. Die Bassdrum klingt wie ein Wasserfall in slow-motion. „Days Go By“ wird mittendrin zum Bedroom-Rave während auf den anderen Stücken die Beats eher an das stille Pochen eines vertrauten Herzens erinnern, die das Ohr nur dann wahrnimmt, wenn man es nah an die Brust des Geliebten hält. Besonders deutlich ist das bei „Rundry“ und „Little Love“ zu hören, letzteres ein polyamouröses Duett mit dem federführenden Indie-Crooner Sean Nicholas Savage.
Like Water wurde aufgenommen in Magic Islands Homestudio in Neukölln und abgemischt von Dawid Szczesny (Normal Echo) und Lucas Chantre (Fenster).

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