Dum Dum Girls

End Of Daze hatte mir signalisiert: Es ist ein Ende für einen Teil meines Lebens, der verwirrt, schwierig, desaströs, hier und da aber auch erlösend war. Es war das Eselsohr im Buch des Lebens, bei dem ich immer wieder nachschlagen werde, um mich daran zu erinnern, dass was sein soll, sein wird und dass in der Zukunft immer aufregende Arbeit auf einen wartet. Natürlich ist das niemals ganz so leicht, wie das klingt und sorgte für neue Wellen der Verwirrung und Unsicherheit...
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End Of Daze hatte mir signalisiert: Es ist ein Ende für einen Teil meines Lebens, der verwirrt, schwierig, desaströs, hier und da aber auch erlösend war. Es war das Eselsohr im Buch des Lebens, bei dem ich immer wieder nachschlagen werde, um mich daran zu erinnern, dass was sein soll, sein wird und dass in der Zukunft immer aufregende Arbeit auf einen wartet. Natürlich ist das niemals ganz so leicht, wie das klingt und sorgte für neue Wellen der Verwirrung und Unsicherheit.

Im Sommer 2012, zwischen zwei Touren zu „End Of Daze“, schloss ich mich in mein Apartment ein, um ein neues Album zu schreiben – die Aussicht auf den Stadthimmel über New York hinter den Eisenstäben erschien mit als Verheißung. Wie alle zwanghaften Geister wartete ich mit angehaltenem Atem (und der Shakespearschen „geflüsterten Bescheidenheit“) auf meine Muse.

Ich habe schon immer ein introspektives Leben geführt, aber es sind diese seltenen Momente, in denen ich aus meinem eigenen Kopf heraustrete und Dinge erschaffe, die für andere greifbar sind, in denen ich dem Himmel am nächsten bin. Live aufzutreten löst in mir die gleichen Gefühle aus, aber das Songschreiben ist ein noch schwerer zu fassendes Phänomen. Ich fühlte mich erinnert an den Brief, den NICK CAVE seinerzeit an MTV schrieb, als er für einen Award nominiert werden sollte. Neben seiner Weigerung, seine Kunst im Wettkampf zu messen, war es seine ruhige Verehrung und der Schutz seines eigenen kreativen Prozesses, seiner gekrönten Inspiration, die mich sehr beeindruckte (tut euch selbst einen Gefallen und lest den Brief, falls ihr ihn noch nie zuvor gelesen habt: http://www.nick-cave.com/mtv/mtv.shtml).

Ich hatte über Monate hinweg ein paar Songs und Halb-Songs gesammelt und sie vage für kommende Veröffentlichungen in Betracht gezogen, bis sich plötzlich das ungute und fast greifbare Gefühl einstellte, dass sie auf der Jagd nach dem nächsten Sound, nach der nächsten Platte auf der Strecke bleiben würden. Und so verbrachte ich die folgende Woche in einem glitzernden Dunst sieben Stockwerke näher am Himmel und als ich durch den Schleier tauchte, um zurück auf Tour zu geben, hatte ich zehn neue Songs im Gepäck. Sie waren miteinander verknüpft, nicht nur von den groben Soundeinstellungen und einem neuen Effektpedal, sondern auch durch die Zeit, die Absicht und durch ihre Leidenschaft.

Hörst du SUEDE? SIOUXSIE? PATTI SMITH? MADONNA? CURE? VELVET und PAISLEY UNDERGROUND? STONE ROSES? Denn ich tat’s. Einen Monat später flüchtete ich nach Hollywood, schloss mich einmal mehr ein und zwei weitere neue Songs erblickten in der trunkenen Einsamkeit des Chateau Marmont das Licht der Welt – Punkte für den, der erkennen kann, welche das sind. Noch später, im November 2012, kehrte ich wieder nach Hollywood zurück, um im Geist der „Pet Sounds“ in den East West Studios auf der Suche nach einem größeren, düsteren und dringlicheren Sound aufzunehmen. Mit meinem Lieblingsteam aus Richard Gottehrer und Sune Rose Wagner als Produzenten und Alonzo Vargas als Engineer fiel es mir leicht, meine Songskelette mit Organen und Fleisch zu behängen.

Ob das jetzt mit Karma zu tun hat oder nicht – meine Stimme war zerstört. Das vorherige Jahr des Tourens hatte mein einst unzerstörbares Instrument zu einem bloßen Schatten seiner selbst reduziert. Ich war am Boden zerstört und als ich Kalifornien verließ, trug ich das Kreuz eines unvollendeten Albums auf dem Rücken. Die Geschichte ist viel länger und langweiliger. Um es abzukürzen: Das Ganze war eine Katastrophe, so dass ich einen ernsthaften Umweg in Richtung der Zukunft, die ich mir ausgemalt hatte, in Kauf nehmen musste.

Schließlich entpuppte sich die Situation als einer dieser Segen, die man nicht auf den ersten Blick erkennt. Die zusätzliche Zeit war ein einziges Geschenk. Was sich zuerst wie ein Rückzug anfühlte, entpuppte sich als Erweckung. Diese Songs waren noch lange nicht fertig. Und so machte ich mich über den großen Stapel Bücher her, die ich in L.A. gekauft hatte und befasste mich mit den Themen und Bilderwelten, die mich sofort in ihren Bann zogen mit Worten, die mich so tief berührten, dass ihre Autoren gleichermaßen zu künstlerischen Kollaborateuren wurden: Rainer Maria Rilke, Anais Nin, Arthur Rimbaud, Paul Verlaine, Charles Baudelaire, Sylvia Plath; die Punk-Poeten Patti Smith und Lou Reed (die ich wie viele als meine spirituellen Eltern sehe) und schließlich eine zugegebenermaßen ungesunde Obsession mit dem Sehnsuchtsmanifest der Surrealisten.

Hier hatte ich es Schwarz auf Weiß: Verlangen als Muse; das Leben als ein Experiment; ein Wunder für jedes Versagen und andersherum. Ich beschrieb Seite um Seite und dann sang ich. Ich sang in mein eigenes Mikrophon in meinem winzigen Schlafzimmerstudio und niemand außer meiner imaginären Mitverschwörer konnte mich hören; niemand sah mich mit abschätzenden Blicken an. Ich war eine Besessene und meine Besessenheit verlieh mir Flügel.

Ich schreibe dies hier jetzt viele Monate später in einem positiven Geisteszustand. Ich habe den Songs gedient und sie mir. Es ist niemals anmaßend, zu fühlen und zu erschaffen. Die Musik hat so viele Teile meines Lebens definiert, mir weitergeholfen und mir sogar das Leben gerettet. Das hier ist mein Versuch, in den Rock’n’Roll vorzustoßen, den Pop in die Düsternis zu jagen und ich bin wie immer voller dankbarer Demut, dass Ihr zuhört.“ XXDD

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In 2014 Dum Dum Girls’ stellar third album Too True releases on CD/LP/DL on 27 January in Europe and 28 January in North America via Sub Pop. The 10 track album features the singles “Lost Boys And Girls Club,” “Are You Okay,” and ““Rimbaud Eyes,” and was produced by Richard Gottehrer (Blondie, The Go-Go’s, Richard Hell), Sune Rose Wagner (The Raveonettes) and engineered by Alonzo Vargas at East West Studios in Los Angeles and The Coven in New York City (read more about the making of the album via Stereogum)...
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In 2014 Dum Dum Girls’ stellar third album Too True releases on CD/LP/DL on 27 January in Europe and 28 January in North America via Sub Pop. The 10 track album features the singles “Lost Boys And Girls Club,” “Are You Okay,” and ““Rimbaud Eyes,” and was produced by Richard Gottehrer (Blondie, The Go-Go’s, Richard Hell), Sune Rose Wagner (The Raveonettes) and engineered by Alonzo Vargas at East West Studios in Los Angeles and The Coven in New York City (read more about the making of the album via Stereogum).

Lead singer and songwriter Dee Dee Penny talks more about the new album in her words: «End Of Daze had for me signaled exactly that; an end to a part of my life that was confused, difficult, disastrous, and at times, redemptive. It was a marked comment to myself, for future reference, that what will be, will be, and that there is always exciting work to be done ahead. It is never that easy, though, and so was ushered in a new version of confusion, et al.

In the summer of 2012, between tours supporting End Of Daze, I locked out the world and sat down in my apartment to write a new record — clear view of the New York City sky through iron bars like a promise. Like all compulsive minds, I was waiting with bated breath (“and whispering humbleness”) to let the muse loose.

I’ve always lived an introspective life, but it is these rare moments of actively stepping outside my head, to create things tangible to others, that I find truly transcendent. Performing live offers the same rush to me, but it’s an even more elusive, haunting ghost. I was reminded of that letter Nick Cave wrote to MTV, in response to being nominated for an award. Apart from his refusal to be competitively evaluated, it was his gentle worship and protection of his own creative process, his crowned Inspiration, which resonated with me. (Do yourself a favor and read it here if you’ve never: http://www.nick-cave.com/mtv/mtv.shtml.)

I had collected various songs and half-songs over the previous months, vaguely regarding them as future releases, but had the nagging feeling they were to be tossed out on the hunt for the next sound, the next record, which was at that point almost palpable.

And so I spent the next week in a sparkling haze, seven stories closer to Heaven, and when I emerged from the frenzy to go back on tour, indeed ten new songs came with. They were bound together, not just by an overall sonic palette and new guitar pedal, but by time, intention, and fervor. Do you hear Suede? Siouxie? Cold-wave Patti? Madonna? Cure? Velvet and Paisley Undergrounds? Stone Roses? Cuz I did. A month later I ran away to Hollywood, and again locked myself up, and two more songs were born from drunken loneliness in room at the Chateau Marmont — points if you can discern which ones.

Still later, in November 2012, I returned to Hollywood to record among the lingering Pet Sounds at East West Studios, in pursuit of a bigger, darker, more urgent sound. Sitting in the room with my favorite team of regulars (Richard Gottehrer and Sune Rose Wagner producing, Alonzo Vargas engineering), it was easy to add some flesh to my song skeletons.

Unfortunately, karma take it or leave it, I had to confront the reality that my voice was destroyed; that the previous year of touring had reduced my once infallible instrument to a pale spectre of its former self. I was broken and when I left California, it was with the heavy burden of an unfinished album. It is a much longer and more boring story, but in short, it was devastating and demanded a severe detour from the future I’d anticipated.
Truly one of those disguised blessings though — the extra time was a gift. What initially felt like a retreat became a reawakening. These songs weren’t done at all! And so I worshipped at the tall pile of books I’d bought in Los Angeles, on topics and imagery I’d been consumed by and words that had resonated so deeply with me they felt like artistic collaborators: Rainer Maria Rilke, Anais Nin, Arthur Rimbaud, Paul Verlaine, Charles Baudelaire, Sylvia Plath; the punk poet singers Patti Smith and Lou Reed (who, like many I consider to be my spiritual parents); and finally, an admittedly unhealthy obsession with the Surrealists’ manifesto of desire.

Here it was spelled out for me: Desire as muse; Life as experiment; a miracle for every failure and vice-versa. I put pen to paper and I wrote, and then I sang. I sang into my own private microphone, in my tiny bedroom studio, with no one save my make-believe coconspirators to hear me, and no one to weight me with the looming pressure of inability. I was a woman possessed and my possession enabled me.

I write this now, many months later, on the up. I have served the songs and the songs have served me. It is never pretentious to feel and create. So much of my life has been defined, aided, and even saved by music. Here is my best attempt at joining the rock’n’roll ranks, of chasing pop into the dark, and I am as ever, humbled that you listen.»

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