Chuckamuck

Das alte Spiel muss immer wieder neu gespielt werden. Denn sobald du mitmachst, ändern sich sämtliche Regeln. Das Recht dazu hast du nicht, du musst es dir schon nehmen. Sowas schaffst du nicht, ohne anmaßend zu werden. Und wenn du es schaffst, bist du einigermaßen vogelfrei. Dann kann dir jeder kommen, dumm oder nicht so dumm. Aber dafür weißt du, wie du es beschreiben kannst, wenn es los geht. Wenn es heikel wird und gleichzeitig große Erwartungen im Raum rumstehen, kurz: wenn die Band Chuckamuck zu spielen beginnt. Mit pelziger Zunge. Mit Puddingknien und zerbissenen Lippen...
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Das alte Spiel muss immer wieder neu gespielt werden. Denn sobald du mitmachst, ändern sich sämtliche Regeln. Das Recht dazu hast du nicht, du musst es dir schon nehmen. Sowas schaffst du nicht, ohne anmaßend zu werden. Und wenn du es schaffst, bist du einigermaßen vogelfrei. Dann kann dir jeder kommen, dumm oder nicht so dumm. Aber dafür weißt du, wie du es beschreiben kannst, wenn es los geht. Wenn es heikel wird und gleichzeitig große Erwartungen im Raum rumstehen, kurz: wenn die Band Chuckamuck zu spielen beginnt. Mit pelziger Zunge. Mit Puddingknien und zerbissenen Lippen. Mit Blicken, die an den Wänden der Wohnzimmer, der Säle und der Studios lehnen. Mit pochenden Schläfen und grauem Keuchen. Ohnmächtig vor Überschwang. Vor gedachten Zuhörern, die ihre Arme vor der Brust verschränken und so gestisch mitteilen: Ihr seid die Waschlappen, für die wir euch halten. Chuckamuck nehmen es mit ihnen auf. So spielen sie das alte Spiel neu. Als anmaßende, vogelfreie, selbsternannte Könige des Hügels. Der liegt bei dieser Band in Berlin. Dort hatten fast alle Bandmitglieder mal die Schule hinter sich gebracht. Kurz darauf traf sich die Ex-Schülerband mit dem renommierten Produzenten Moses Schneider, um ihr zweites Album Jiles aufzunehmen. Dabei entstanden Lieder, die vorschnelle Zuhörer für musikalisches Reenactment halten könnten. Aber tatsächlich führen Chuckamuck voller Freude ziemlich wilde Rollenspiele auf: Die Ramones als Doo Wop Quartett. Die fünfziger Jahre aus der Sicht von The Jesus and Mary Chain. Die Beach Boys, wenn sie für My bloody Valentine singen würden. Bei diesen guten Namen finden Chuckamuck Aufhänger für die prächtigsten Lebensgefühle. Rock'n'Roll ist ihnen entsprechend ein Meer, wo man nichts zu tun hat, außer ständig Entdeckungen zu machen. Deshalb stürzen sich Chuckamuck so gern in dessen Brandung, um sich nass zu machen. Sie kümmern sich um Geschichte, indem sie in ihr schwimmen gehen. Zurück am Strand treffen sie dann Ideen. Weil die im Kapitalismus von Leuten verkörpert werden, singen Chuckamuck von Karl Egal und Bill McGrill. Von dem Hitchhike Baby und dem Geistergirl. Von Äss-Kah-Uh-Äll-Äll-Üpssilonn, der Agentin aus der berühmten Science-Fiction-Fernsehserie und der mysteriösen Jeanie Reynolds. Um sie drehen sich  diese schlunzigen Anti-Spießer-Rocksongs mit Hymnen-Gen. Chuckamuck spielen ein Spiel, das die Regeln ändert. Wer hört, gewinnt. (Text: Kristof Schreuf)

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The four young Berliners who make up Chuckamuck are just releasing their second album, but their legend has already spread far and wide. The uproar from their shows even made the pages of New York magazine, which called them Berlin’s Hot Band: “a sloppy, punky, melodic bunch barely out of their teens are the current stars of the indie guitar set.” Now comes Jiles, released by Staatsakt/Rough Trade, twelve new songs bristling with the band’s trademark brand of sun and fun...
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The four young Berliners who make up Chuckamuck are just releasing their second album, but their legend has already spread far and wide. The uproar from their shows even made the pages of New York magazine, which called them Berlin’s Hot Band: “a sloppy, punky, melodic bunch barely out of their teens are the current stars of the indie guitar set.” Now comes Jiles, released by Staatsakt/Rough Trade, twelve new songs bristling with the band’s trademark brand of sun and fun.

With their 2011 debut LP, Wild for Adventure, they got called the German Libertines and the German Strokes. The comparisons were attempts to express the sea change Chuckamuck represented with their gloriously sloppy live shows and irrepressible energy. On the one hand Chuckamuck are an unapologetically straight-up rock band: two guitars, a bass, and drums. But on the other, there’s no way to hear them without recognizing in their music something completely fresh and new. Yes, they draw on familiar sounds like surf music and New Wave guitar bands. Yet the result is warped in the most wonderful way—it’s like the Beach Boys singing with the Ramones, the Jesus & Mary Chain doing doo wop, or the Undertones playing a Spring Break party in 1955.

Chuckamuck generate breathless enthusiasm from critics and fans alike—not only have they completely reinvigorated the Berlin indie scene, they’ve rewritten the rules. They sing German lyrics that go in the opposite direction of the more cerebral Hamburg school made famous by acts like Tocotronic and die Sterne. Chuckamuck sing about girls, roller coasters, pinball, and swimming pools. Their music is a poppy garage-rock homage to youthful exuberance, to living blissfully unencumbered and completely in the moment. And their shows? Their shows put the audience right in the middle of it all, caught up in the band’s manic lust for life. In short, Chuckamuck are rock and roll. When you crank up Jiles, you will know that rock is alive and well in 2013. As the German newspaper TAZ put it, “Jiles shows why rock and roll—despite nostalgia—will always be important.” (Text by Tim Mohr)

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